Forschungsfragen Klima

Global non-linear effect of temperature on economic production

Burke, Marshall; Hsiang, Solomon M.; Miguel, Edward · · Nature, 527(7577), 235–239

PaperClosedGlobalQuellen-Link verifiziert

Bibliographische Details

Quellen-ID
2015-burke-temperature-economic-production
Abgerufen

Notizen

Empirischer Kernanker für die ökonomische Modellierung von Klimaschäden auf das Wirtschaftsprodukt (Schadensfunktion). Panel-Analyse von 166 Ländern, 1960–2010, identifiziert einen NICHT-LINEAREN, konkav-glockenförmigen Zusammenhang zwischen Jahresdurchschnitts- temperatur und ökonomischer Produktivität mit einem Produktivitäts-Optimum um ~13 °C. Über diesem Optimum sinkt die Produktivität steil — das betrifft sowohl reiche als auch arme Volkswirtschaften (gegen die frühere Annahme, nur Entwicklungsländer seien betroffen). Hochrechnung: ungebremster Klimawandel könnte das globale Pro-Kopf-Einkommen bis 2100 um ~23 % reduzieren gegenüber einer Welt ohne Erwärmung. Methodische Grenze: Aggregat-Schätzung auf nationaler Ebene; sub-nationale/städtische Adaption (Wien) und Anpassungsdynamiken sind nicht direkt abgebildet. Liefert die kanonische empirische Begründung, dass Schadensfunktionen in IAM-Modellen die Temperatur-BIP-Beziehung non-linear abbilden müssen.

Zentrale Befunde

  • Non-lineare Temperatur-BIP-Beziehung: Globale ökonomische Produktivität folgt einer konkaven Funktion der Jahresdurchschnittstemperatur mit einem Optimum bei ~13 °C; oberhalb dieses Punkts fällt die Produktivität nicht-linear ab. Die Beziehung ist statistisch robust über 166 Länder und 50 Jahre (1960–2010).
  • Reiche wie arme Länder betroffen: Anders als ältere Schätzungen nahelegten, ist die negative Temperatur-Wirkung oberhalb des Optimums NICHT auf Entwicklungsländer beschränkt — auch wohlhabende Volkswirtschaften verlieren bei Überschreitung.
  • Hohe projizierte Aggregat-Schäden: Unter ungebremster Erwärmung könnte das durchschnittliche globale Pro-Kopf-Einkommen bis 2100 um rund 23 % unter dem Niveau ohne Klimawandel liegen — deutlich höher als frühere Schadensschätzungen vieler integrierter Bewertungsmodelle (IAMs).
  • Implikation für Schadensfunktionen: Lineare oder schwach-quadratische Schadensfunktionen unterschätzen die Kosten des Nicht-Handelns systematisch; empirisch geschätzte non-lineare Funktionen sind die belastbarere Grundlage für Kosten-Nutzen-Modelle.

Methodik

  • Ökonometrische Panel-Analyse: 166 Länder, 1960–2010, mit Land- und Jahres-Fixed-Effects, länderspezifischen Zeittrends und Kontrolle für Niederschlag.
  • Identifikation der non-linearen Temperatur-Produktivitäts-Funktion über inter-annuelle Temperaturschwankungen (within-country variation).
  • Projektion der Aggregat-Schäden bis 2100 unter Kombination der geschätzten Response-Funktion mit Klima- und sozioökonomischen Szenarien.

Einschränkungen

  • Aggregat-Schätzung auf nationaler Ebene; sub-nationale und städtische Heterogenität sowie Anpassungsdynamiken (Adaptation) sind nur eingeschränkt abgebildet.
  • Inter-annuelle Variation als Identifikationsstrategie misst kurzfristige Schocks; langfristige Anpassung könnte die projizierten Schäden dämpfen (offene Debatte).
  • Globale/nationale Skala — direkte Übertragung auf eine einzelne Stadtwirtschaft (Wien) erfordert ein Downscaling und sektorale Disaggregation.

Relevanz für Wien

Empirischer Schadensfunktions-Anker für WFK-9.2.3 (Modellierung der ökonomischen Wirkungen der Klimakrise, Quantifizierung der Kosten des Nicht-Handelns). Belegt, dass die Temperatur-BIP- Beziehung non-linear ist und dass Aggregat-Schäden bei Verzögerung erheblich sein können — die empirische Untermauerung der Stern-Logik. Für eine Wiener Stadtwirtschafts-Modellierung ist die Quelle der globale Kalibrierungs-Anker, der durch sub-nationales Downscaling und sektorale Disaggregation Wien-spezifisch gemacht werden muss (nicht 1:1 übertragbar).

Zitierweise

@article{burke-temperature-economic-production-2015,
  title   = {Global non-linear effect of temperature on economic production},
  author  = {Burke, Marshall and Hsiang, Solomon M. and Miguel, Edward},
  year    = {2015},
  journal = {Nature},
  volume  = {527},
  number  = {7577},
  pages   = {235--239},
  doi     = {10.1038/nature15725},
  url     = {https://doi.org/10.1038/nature15725}
}

Zitiert in 1 Forschungsfrage

Quelldatei

sources/2015-burke-temperature-economic-production.md

Auf GitLab anzeigen (raw)